Die Standseilbahn – für Menschen mit Prinzipien
Wer keine Lust auf den Aufstieg zur Città Alta hat, nimmt die Funicolare – Bergamos Standseilbahn. Und das ist keineswegs eine moderne Erfindung für fußlahme Touristen: Seit mehr als 120 Jahren verbindet sie das Zentrum mit der Oberstadt. Von Sigrid Riewe-Scholz
Oben angekommen, landet man direkt an der Piazza Mercato delle Scarpe. Der Name kommt nicht von ungefähr: Bereits 1430 wurden hier ausschließlich Schuhe verkauft. Der gegenüberliegende Palast, in dem sich heute die Talstation der Standseilbahn befindet, war damals Sitz der Schuhmacherzunft.
Die Fahrt selbst ist kurz, aber ausgesprochen charmant. Zwei Gondeln fahren durch blühende Gärten hinauf und überqueren dabei die historischen venezianischen Stadtmauern, die Bergamo einst vor Feinden schützen sollten. Heute schützen sie vor allem eine der schönsten Aussichten der Stadt.
Bei klarem Wetter reicht der Blick über die gesamte Poebene bis zum Apennin. Man fährt also nicht einfach mit einer Bahn nach oben – man reist ein kleines Stück durch die Geschichte.
Und wie kurz ist „kurz“ eigentlich? Ziemlich kurz: In nur wenigen Minuten überwindet die Funicolare auf einer Strecke von gerade einmal 240 Metern einen Höhenunterschied von 85 Metern. Dabei geht es stellenweise mit einer maximalen Steigung von 52 Prozent ordentlich bergauf.
Da stellt sich die Frage: Wäre man zu Fuß nicht schneller gewesen? Vielleicht. Aber darum geht es nicht. Man ist schließlich im Urlaub. Und wer Geschichte, Aussicht und Bequemlichkeit miteinander verbinden kann, hat eindeutig alles richtig gemacht.