Modernisierung der Remise 3 in Graz: Neue Rangierwegsteuerung für mehr Kapazität und Betriebsstabilität
Mit dem Projekt „Maintenance Graz Linien“ begann bereits 2021 die umfassende Modernisierung der Infrastruktur der Graz Linien. Hintergrund waren die geplante Innenstadt-Entlastung sowie die Beschaffung von 15 neuen, 34 Meter langen FlexCity-Straßenbahnen. Um den zukünftigen Betrieb mit längeren Fahrzeugen und dichteren Intervallen sicherzustellen, wurde eine Erweiterung der historischen Remise 3 im Nordwesten von Graz notwendig. Nach Abschluss der Umbauten sollen dort künftig bis zu 60 Straßenbahnen abgestellt werden können. Von Jörg Grote
In den Jahren 2022 und 2023 wurden dafür umfangreiche betriebliche Konzepte entwickelt. Dazu gehörten neue Einfahrten von der Eggenberger Straße, zusätzliche Abstellgleise sowie eine eigenständige neue Weichensteuerung, die bewusst ohne Schnittstelle zur bestehenden Relaistechnik umgesetzt wurde. Die historische Relaisanlage samt Stellpult und Schaltschrank bleibt weiterhin unverändert in Betrieb.
Ab 2024 begann die konkrete Bauphase an der östlichen Erweiterung des Betriebshofs. Neben vorbereitenden Maßnahmen wie Leitungsarbeiten, Baumfällungen und Schallschutzplanungen standen vor allem die betriebliche Leistungssteigerung und die Modernisierung der Infrastruktur im Fokus. Entstanden sind sechs neue Abstellgleise mit zusätzlichen Gleisverbindungen, insgesamt elf neue Weichen, eine neue Straßenbahnwaschhalle sowie modernisierte Werkstatt- und Oberleitungsanlagen. Gleichzeitig wurden umfangreiche Gleis- und Oberleitungssanierungen innerhalb des Betriebshofs durchgeführt, um die Betriebsstabilität bei Ein- und Ausrückfahrten deutlich zu erhöhen.
Zentrales Element der Erweiterung ist die neue fünffache Rangierwegsteuerung. Sie steuert die Einfahrten über die neuen Weichenanlagen an der Eggenberger Straße. Besonders wichtig sind dabei die zusätzlichen Streckenweichen, die das schnelle Einrücken aus beiden Fahrtrichtungen ermöglichen. Über weitere Verzweigungsweichen werden die Fahrzeuge anschließend auf die sechs neuen Zielgleise verteilt. Zum Einsatz kommen Weichenantriebe der Baureihe HW61.1.
Die 2025 realisierten Streckenweichen basieren technisch auf dem bewährten Grazer Standardkonzept in HNP-Steuerungstechnik von HANNING & KAHL. Ergänzt wurde dieses um moderne Rückmeldungen zu Weichenlagen, Gleisbelegungen und Fahrwegmeldungen für die Signalanlage sowie die neue Rangierwegsteuerung. Die Sicherung erfolgt dabei weiterhin über zwei unabhängige Systeme aus Ortungs- und Gleiskreistechnik.
Die seit März 2025 im Probebetrieb eingesetzte Rangierwegsteuerung wurde im Rahmen intensiver fachlicher Abstimmungen entwickelt. Ziel war eine besonders hohe Verfügbarkeit bei gleichzeitig klarer Orientierung an den bewährten Abläufen der bisherigen Relaissteuerung.
Das System unterscheidet drei Betriebsarten. Im Standardbetrieb werden Fahrten über einen Dispatcher im sogenannten „Bedienen & Beobachten“-Modus organisiert. Dies kann sowohl direkt in der Remise 3 als auch zentral über das Citycom-WAN-Netz erfolgen. Zusätzlich steht an der östlichen Außenwand der Werkstatt eine weitere Bedienstelle als Rückfallebene zur Verfügung. Im Folgezugbetrieb kann ein bereits eingestellter Fahrweg automatisch von nachfolgenden Fahrzeugen genutzt werden. Der Automatikbetrieb ermöglicht schließlich eine vollautomatische Fahrwegeinstellung anhand erkannter Fahrzeugtypen, die über das HCS-V-Meldungsübertragungssystem identifiziert und automatisch einem der sechs Zielgleise zugeordnet werden.
Technisch verteilt sich die neue Rangierwegsteuerung auf zwei Aluminium-Außenschränke sowie einen zusätzlichen Heizungs-Steuerschrank mit ConnAct®-Integration. Die Anzeigen informieren die Fahrer über den eingestellten Fahrweg und die jeweiligen Zielgleise. Nach der sicheren Verriegelung der Weichenanlage erfolgt die weitere Fahrt auf Sicht. Besetzte Gleise werden automatisch erkannt und für weitere Fahrwegeinstellungen gesperrt.