CE-Konformitätserklärung mit Künstler Bahntechnik

Europäisches Regelwerk beeinflusst zunehmend die Beschaffungsprozesse von Weichenanlagen und den zugehörigen Weichensteuerungen. Einschlägig in diesem Kontext sind insbesondere die Niederspannungs- und Maschinenrichtlinie, deren Umsetzung gemäß §2 Grundregeln der BOStrab gegenüber den Aufsichtsbehörden nachzuweisen sind.

Für den Neubau der Gleisanlage für das Gleisdreieck am Sanderring forderte die Würzburger Straßenbahn (WSB) in enger Abstimmung mit deren Technischen Aufsichtsbehörde die Gesamtkonformität für die Gleisanlage inkl. Weichen mit Weichenantrieben und der Weichensteuerung nach Maschinenrichtlinie von potentiellen Lieferanten ein. 

Daher war in der Ausschreibung im Jahre 2020 ein „Konzept zur Durchführung eines Konformitätsbewertungsverfahrens“ mit abzugeben. Künstler Bahntechnik konnte HANNING & KAHL als Partner für das Konformitätsverfahren gewinnen, wobei Künstler Bahntechnik hier als Generalunternehmen fungierte.

tram.news: Wie kam es zur Entwicklung des Konzepts für das Konformitätsbewertungsverfahren beim Verkehrsbetrieb in Würzburg?

Nicola Klein:   Mit dem Beschaffungsprozess der WSB wurde im Geschäftsjahr 2019 erstmalig die gesamtheitliche Betrachtung eines Gleisdreieckes mit zugehöriger Weichensteuerung auf Basis des europäischen Regelwerkes an uns herangetragen. Zunächst überlegten wir, die Aufgabe an einen externen Dienstleister für technische Dokumentation zu vergeben. Aufgrund der vielen fachlichen Aspekte, die bis in konstruktive Details hineinreichten, entschieden wir uns jedoch schließlich dafür, eine eigene Lösung zu erarbeiten.

tram.news: Wie kam es dazu, dass Sie HANNING & KAHL als Partner gewählt haben, und wie haben Sie die Kooperation erlebt?

Nicola Klein:   Wir hatten vorher schon seit vielen Jahren gut mit HANNING & KAHL zusammengearbeitet. Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl war, dass jeder Partner seinen Teil zum Gesamtprojekt beiträgt und gemeinschaftlich die kompletten Anforderungen kompetent abgedeckt wurden. Zusätzlich war gegenseitiges Vertrauen und Kompetenz zwingend erforderlich für den gemeinsamen Projekterfolg. Da lag der Schritt zu einer Kooperation mit HANNING & KAHL sehr nahe.

tram.news: Wie ist aus Ihrer Sicht die Inbetriebnahme und Abnahme des Gleisdreiecks am Sanderring verlaufen?

Nicola Klein:  Die rein gleisbautechnische Realisierung des Projektes wurde termingerecht absolviert und stellte keine große Herausforderung dar. Auf den zeitlichen Ablauf der erforderlichen Prüfungen nach dem europäischen Regelwerk sowie dem Stand der Technik hatten wir allerdings wenig Einfluss und so mussten wir gemeinsam eine Kompromisslösung finden, die aber von allen Projektbeteiligten, insbesondere auch von der WSB und deren Technischen Aufsichtsbehörde mitgetragen wurde. Im Ergebnis waren wir dann gemeinsam erfolgreich – der Weg dahin aber war schon aufregend und hat das ganze Projektteam gefordert.

tram.news: Konnte sich diese gesamtheitliche Vorgehensweise auch schon in anderen Städten etablieren?

Nicola Klein: Bis jetzt noch nicht, aber wir stehen mit weiteren Städten bereits im Gespräch. In Würzburg sind bereits mehrere Projekte wie der Hauptbahnhof, Dallenbergbad und zuletzt Sanderau nach diesem Konzept erfolgreich realisiert worden. Insbesondere konnten neue Erkenntnisse aus den Dauerfestigkeitsberechnungen in die Weichenkonstruktionen einfließen.

tram.news: Wo sehen Sie die Zukunft von Künstler Bahntechnik (KBT)?

Nicola Klein: KBT hat als Teil der Fehlings-Gruppe den Anspruch, maßgeschneiderte Lösungen für Kunden zu bieten, dabei die Ver- und Entsorgung von Gleisbaustellen zu sichern und durch Innovationen und zuverlässige Belieferung eine herausragende Stellung im Oberbau einzunehmen.

tram.news: Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und danken uns für das Gespräch.

Das Interview führte Hans-Joachim Pütsch, Leiter Kundenmanagement, Bereich Infrastruktur

Kurzvita

Nicola Klein, 60, ist Dipl.-Ing. Energie- und Verfahrenstechnik. Zunächst tätig als Projektingenieur im Chemie-Anlagenbau wechselte er über Stationen in der Bergbautechnik und der Energiewirtschaft ab 06/2008 in die Geschäftsführung der KBT.