Mehr PS als du Freunde hast
In einer Welt, in der Elektroautos mit leisem Surren und intelligenter Zurückhaltung glänzen, hat Koenigsegg offensichtlich beschlossen: Genug davon. Statt Reichweitenprognosen und Ladezeiten gibt’s hier brachiale Motorleistung, Flügel in Flugzeuggröße und einen Namen, der klingt wie aus einem Fantasy-Roman. Willkommen beim Sadair‘s Spear – dem neuesten Hypercar der schwedischen PS-Schmiede. Von Sigrid Riewe-Scholz
Was zur Hölle ist ein „Sadair‘s Spear“?
Der Name stammt – natürlich – von einem Rennpferd. Genauer gesagt: dem Lieblingspferd von Jesko von Koenigsegg, Vater des Firmenchefs. 1976 ritt er es in seinem letzten Rennen. Und ja, es heißt tatsächlich „Der Speer von Sadair“ – wer oder was auch immer Sadair war, bleibt unklar. Aber schnell war das Tier wohl. Reicht als Begründung.
1.647 PS – für den Fall, dass man mal zu spät losfährt
Angetrieben wird der Spear von einem 5-Liter-V8 mit doppelter Turboaufladung, der bis zu 1.647 PS ausspuckt – vorausgesetzt, man füttert ihn mit E85-Bioethanol. Mit normalem Super gibt’s „nur“ 1.318 PS. Also: Bitte tanken wie ein echter Enthusiast, nicht wie jemand, der sich über Spritpreise Gedanken macht.
Gepaart ist das Ganze mit dem hauseigenen 9-Gang-Getriebe mit sechs (!) Kupplungen, genannt Light Speed Transmission. Nein, das ist kein Marketinggag – das Teil schaltet wirklich schneller, als man „Was kostet eigentlich ein neuer Satz Reifen?“ sagen kann.
Luft, Flügel, Flaps – Hauptsache Abtrieb
Optisch ist der Sadair‘s Spear ein aerodynamischer Wutanfall: Vergrößerte Lufteinlässe, ein aktiver Riesen-Heckflügel, Radhausblenden, Gurney-Flaps – das volle Programm. Auf Koenigseggs hauseigener Teststrecke, dem Gotland Ring, war er 1,1 Sekunden schneller als der ohnehin nicht gerade zahme Jesko Attack. Also ja: Er fliegt. Nur ohne abzuheben.
Leichtbau? Aber bitte mit Stil!
Dank Carbon überall (selbst an den Felgen) und Verzicht auf Dämmung bringt der Spear ein Leistungsgewicht von unter 1 kg/PS. Trotzdem: Touchscreen, USB-Ports, induktives Laden und eine Einparkhilfe aus der Vogelperspektive – Luxus geht auch leicht.
Preis? Natürlich.
Rund 4,45 Millionen Euro. Und obwohl der Sadair’s Spear auf nur 30 Exemplare limitiert ist, war er schneller ausverkauft, als man „Soll ich bar oder per Überweisung zahlen?“ sagen konnte.
Fazit: Wozu das Ganze?
Braucht das jemand? Nein. Will das jemand? Absolut.
Der Sadair’s Spear ist kein Auto, er ist ein Statement: Für Geschwindigkeit, für Exzentrik, für die pure Freude am Übermaß. Und für alle, denen ein normales Auto einfach zu... vernünftig ist.