
Die Straßenbahn der Zukunft braucht keinen Draht mehr
Die Straßenbahn bekommt ein Update. Kein Stromabnehmer, keine Oberleitung, kein Kabelsalat über der Straße – dafür Wasserstoff im Tank. Klingt nach Science-Fiction? In Görlitz soll das schon Ende 2026 Realität werden. Dann will ein sächsisches Konsortium mit dem Projekt „HyTraGen“ Europas erste Wasserstoff-Straßenbahn auf die Schiene bringen. Von Sigrid Riewe-Scholz
Mit an Bord: die Technische Universität Chemnitz. Dort tüftelt die Professur für Alternative Fahrzeugantriebe an allem, was eine H2-Straßenbahn fit für den Alltag macht. Wie oft muss getankt werden? Wie alt wird so ein Antrieb eigentlich? Und wie verhält sich die Brennstoffzelle, bevor sie in die Bahn eingebaut wird? Kurz gesagt: Die Forschenden sorgen dafür, dass die Zukunft nicht liegen bleibt.
Die Idee hinter der Wasserstoff-Tram ist ebenso simpel wie clever. Sie soll keine klassische Straßenbahn verdrängen, sondern dort einspringen, wo Oberleitungen teuer, unpraktisch oder einfach unsexy sind. Neue Stadtteile, Stadtrandgebiete oder längere Strecken lassen sich so deutlich entspannter erschließen – emissionsfrei und leise obendrein.
Klar ist auch: Wasserstoff ist kein Leichtgewicht. Die Tanks bringen Masse mit, die anderswo wieder eingespart werden muss. Doch genau darin liegt der Reiz des Projekts – Technik neu denken, statt alte Lösungen nur zu verlängern.
Gefördert mit rund acht Millionen Euro zeigt „HyTraGen“, dass Zukunftsvisionen nicht im Labor stehen bleiben müssen. In Sachsen rollen sie bald auf Schienen. Und wer weiß: Vielleicht sagt man in ein paar Jahren nicht mehr „Bitte zurückbleiben“, sondern „Bitte nachtanken“.