Bahnübergangssicherungsanlagen
Bahnübergangssicherungsanlagen
Nahverkehrs-praxis, März 2010
Bahnübergangssicherungsanlagen
Sicherheit mit System
Bahnübergänge sind potenzielle Gefahrenquellen, die mit technischen Schutzeinrichtungen abgesichert werden müssen. Diese Bahnübergangssicherungsanlagen (BÜSA) stellten bisher einen erheblichen Kostenfaktor für jeden Bahnbetreiber dar. Mit einem modularen BÜSA-System gibt HANNING & KAHL eine zeitgemäße Antwort: Drei technisch und preislich abgestufte Ausführungen sorgen für mehr Sicherheit und schonen die knappen Budgets.
Der Spezialist, der seine Kunden in aller Welt seit mehr als 30 Jahren mit seinen durchdachten Produkten für den Schienenverkehr überzeugt, präsentierte das wegweisende BÜSA-Konzept in diesem Jahr mit großer Resonanz auf zahlreichen internationalen Messen. Drei spezifische Ausführungen mit unterschiedlichen sicherheitstechnischen Ausstattungen stehen zur Verfügung. Ob Straßenbahnen, NE-Bahnen oder Privat- und Werksbahnen: Mit SILC-S, SILC-M und SILC-L hat HANNING & KAHL flexible Lösungen für alle Bereiche entwickelt. Das innovative System sichert sowohl ein- als auch mehrgleisige Strecken und lässt sich nicht nur auf einsamer Strecke, sondern auch unter Signaldeckung im Ein- bzw. Ausfahrbereich von Bahnhöfen mit Anbindung an das Stellwerk installieren. Darüber hinaus garantieren verschiedene Gleisschaltmittel die einwandfreie Funktion der Bahnübergangssicherungsanlage – angepasst an Fahrzeuge mit spezifischen Konstruktionsmerkmalen, wie zum Beispiel Metallmassen, Achskurzschlüsse etc..
Drei passgenaue Varianten
Die einfachste Ausführung einer technischen Bahnübergangssicherungsanlage ist die so genannte SILC-S. Sie ist ausgestattet mit zwei eigensicheren Einschaltpunkten und mindestens zwei Verkehrslichtsignalen (Signalgeber gelb / rot) sowie einem Andreaskreuz. Ein akustischer Signalgeber kann zusätzlich installiert werden. Hinzu kommt ein Ausschaltelement, das linienweise mittels Achszählung funktioniert. Eine Steuerung (z. B. im Schaltschrank für die Außenmontage) mit automatischer Störungsmeldung und örtlicher Bedieneinrichtung ergänzt die Anlage. Die Variante SILC-M ist umfangreicher ausgestattet. So verfügt sie beispielsweise über eine Schnittstelle zur optionalen Stellwerksanbindung. Darüber hinaus punktet die SILC-M mit mindestens zwei Überwachungssignalen, die auf Wunsch mit Zugeinwirkung ausgestattet werden können. Die umfassendste Version ist die Ausführung SILC-L, da sie darüber hinaus über mindestens zwei Halbschranken verfügt. Nicht zuletzt ist hier eine Schnittstelle zur Stellwerksanbindung von vorneherein vorhanden. Mit diesen Varianten lassen sich die gängigen Überwachungsarten ÜS, Fü, Hp und ÜSOE realisieren.
Bewährte Systemkomponenten
Herzstück der HANNING & KAHL-Systemlösung ist das „Sichere Rechnersystem HN-P“ mit zweikanaligem Mikrocontrollersystem nach SIL3. Durch die Anwenderparameter lassen sich die Anzahl der Signale, die Art des Gleisschaltmittels oder Systemzeiten frei variieren. Wenn es zu Betriebs- und Fehlzuständen kommt, ermöglicht eine integrierte Statusanzeige eine schnelle Diagnose vor Ort.
Kombiniert wird das Rechnersystem HN-P mit einer Gleisbildstufe im Schaltgeräteschrank, die den Bahnübergang inklusive der Signale und Gleisschaltmittel mittels LED schematisch darstellt. So hat das Wartungspersonal jederzeit einen schnellen Überblick über den Anlagenzustand.
Je nach Anforderung lässt sich auch die Kommunikation zwischen BÜ-Anlage und Leitstelle koppeln, um zum Beispiel Melde- und Anlagendaten per Ferndiagnose abzurufen. Dies geschieht entweder via Funkmodem oder die Benachrichtigung kommt per SMS. Alle Netzwerkkomponenten lassen sich in übergeordnete Systeme, wie zum Beispiel Stellwerke, integrieren.
LED-Signalgeber stellen die Anlagenzustände dar. Besondere Vorteile: Trotz ihres geringeren Stromverbrauchs leuchten sie heller und klarer als herkömmliche Signalgeber und sind so auch bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut zu erkennen – geringer Wartungsaufwand und hohe Lebensdauer inklusive. Um die Sicherheit jederzeit zu garantieren, prüft die Stromüberwachung den LED-Status und erkennt Störungen sofort.
Eine Fahrzeugdetektion vervollständigt die optimal aufeinander abgestimmte Systemkomponenten, die sich nicht nur seit Jahren im weltweiten Einsatz bewährt haben, sondern auch mit einer Ersatzteilverfügbarkeit von 25 Jahren punkten. Zur Erfassung der Fahrzeuge ist es möglich, Doppelschienenschalter sowie Gleis- oder Sperrkreise an die BÜ-Anlage anzubinden.
BÜSA im Praxisbetrieb
Im Frühjahr 2006 setzte die Rhätische Bahn am Bahnübergang im schweizerischen Malans die Variante SILC-S als Testanlage ein. Die kostengünstige, effiziente Installation nutzt die Signalsprache der Verkehrsampel, die intuitiv richtig verstanden wird: Rot bedeutet Stopp, Grün heißt frei. Im Störfall blinkt die Ampel gelb und die Anlage schickt automatisch eine SMS an die Steuerzentrale. Der Test zeigte, dass mit diesem innovativen Lösungsansatz schwere Unfälle, die sich regelmäßig an den unbewachten Bahnübergängen im Netz der Rhätischen Bahn ereigneten, zumeist verhindert werden können.
Auch die Innsbrucker Verkehrsbetriebe sind seit 2009 von den Vorteilen der BÜSA von HANNING & KAHL überzeugt. Auf der 18 Kilometer langen Strecke der Stubaitalbahn die Österreicher die SILC-M erfolgreich ein. Die sechs BÜSA werden, mit Ausnahme des Bahnhofs Mutters, über Schienenschalter zugbewirkt eingeschaltet. Die Abschaltung der BÜSA erfolgt ebenfalls zugbewirkt über HFP-Gleiskreise unmittelbar hinter der jeweiligen Kreuzung. Bei Wartungs- oder Mäharbeiten kann der Triebfahrzeugführer die Schienenschalter auch vor Befahren unwirksam schalten, um lange Wartezeiten für den Straßenverkehr zu vermeiden. Alle Anlagen haben eine Ethernet-Schnittstelle und sind über Glasfaserkabel mit der Leitstelle in Innsbruck verbunden. Ein Softwaretool zeigt Störungsmeldungen an und protokolliert sie detailliert. „Mit der BÜSA-Technik bietet HANNING & KAHL uns eine äußerst komfortable und kosteneffiziente Lösung für höhengleiche Kreuzungen, die bisher technisch nicht gesichert waren“, resümiert Harald Muhrer, Leiter der Infrastruktur bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben.
Eine weitere interessante Anwendung findet die Technik bereits 2004 bei den Verkehrsbetrieben moBiel in Bielefeld: Ein Bahnübergang an einer zweigleisigen Strecke, mit einer Streckengeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde, war zu sichern. Dort erfolgt die Einschaltung über Einzelgleiskreise, die Ausschaltung über Doppelgleiskreise, die zudem bei Falschfahrten zur Hilfseinschaltung genutzt werden können. Die ÜS-Wiederholer, welche im Fall der Auto-HET die ordnungsgemäße Einschaltung signalisieren, werden ebenfalls zur Signalisierung von Falschfahrten genutzt. Die Bahnübergangssicherungsanlage läuft seit der Inbetriebnahme störungsfrei. Das bestätigt Harald Rottschäfer, Leiter der Werkstatt Allgemeine E-Technik und Zugsicherung bei moBiel, und betont: „Die Steuerung kennen wir gar nicht.“
Ob Rhätische Bahn, Stubaitalbahn oder Bielefelder Straßenbahn – eines haben alle BÜSA-Systeme gemeinsam: Mit SILC-S, SILC-M und SILC-L von HANNING & KAHL profitieren Bahnbetreiber nicht nur von aktueller, verlässlicher Technik, sondern gleichzeitig von höchster Sicherheit bei geringen Kosten.







